Pilgern im Christentum

Als wichtige Pilgerorte im Christentum zählten bereits im Mittelalter Jerusalem, Rom und Santiago de Compostela. Letzteres war besonders beliebt, da Jerusalem besetzt war und eine Reise nach Rom, durch die bereits damals gute Infrastruktur wie die gut ausgebauten Straßen, als zu leicht galt.

Die Gründe zu pilgern waren vielfältig. Im Vordergrund standen als Gründe zum Beispiel Dankbarkeit gegenüber Gott oder Buße für getane Sünden. Die standesmäßige Herkunft spielte beim Pilgern keine Rolle, was besonders auch Menschen aus den unteren Schichten ansprach.

Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Arbeit des Berufspilgers. Dieser pilgerte für einen reichen Mitmenschen, der sich dann mit dem Erfolg der Pilgerreise schmückte. Martin Luther hatte einen entscheidenden Einfluss auf die Abnahme der Pilgerreisen während der Reformationszeit, da er sie mit dem Ablasshandel verglich und als unnötig darstellte.

Durch gelockerte Regeln, was zum Beispiel die Dauer und die Schnelligkeit einer Pilgerreise angeht, kamen wieder mehr Menschen dieser Tätigkeit nach, es blieb jedoch bis ins 20. Jahrhundert eher eine Seltenheit. Aus kulturellem Interesse sowie dem Wunsch nach Entschleunigung erfuhr das Pilgern in Europa einen neuen Ansturm.

Pilgern im 21. Jahrhundert

Durch den Bestseller „Ich bin dann mal weg“ aus dem Jahr 2006 wurde ein regelrechter Pilgerboom, besonders auf dem Jakobsweg ausgelöst. Der Jakobsweg ist dem heiligen Jakob gewidmet, dem Schutzpatron der Pilger. Der Jakobsweg beinhaltet viele verschiedene Routen in Europa. Viele befinden sich besonders in Deutschland, Frankreich und Spanien, wo schließlich auch das Ziel des Weges liegt.

Die beliebteste Route des Jakobsweges ist der Camino Francés. Während des Weges tragen die meisten Pilger einen Pilgerpass mit sich. Dieser erlaubt es ihnen, zum einen in günstigen Herbergen zu übernachten, zum anderen ist dieser auch ein Nachweis über die gepilgerte Strecke. Dieser Nachweis ist notwendig, um in Santiago de Compostela eine Urkunde über den gepilgerten Weg zu erhalten.

Pilgerten die Menschen früher noch überwiegend, um Vergebung zu erlangen, sind die Pilgermotivationen heute deutlich vielfältiger. Die einen pilgern wegen der sportlichen Herausforderung, andere um Ruhe zu finden. Und wieder andere sind auf der Suche nach etwas, dass sie vielleicht selbst gar nicht so genau benennen können. Auch die kulturellen Attraktionen auf dem Weg können einen Grund darstellen. In jedem Fall wird das Pilgern als ein Abenteuer betrachtet, bei welchem unklar ist, ob man als der gleiche Mensch wieder zurückkommt.

Damit der Jakobsweg als gepilgert zählt, müssen mindestens die letzten 100 Kilometer zu Fuß gegangen worden sein.

Neben dem Jakobsweg gibt es zum Beispiel noch den Franziskusweg, der nach Rom führt, besonders für Katholiken ein interessantes Reiseziel.

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