Christliche Religion und die Jugend

Der Religionsunterricht in der Schule ist bei Vielen verhasst, wird als langweilig und öde betitelt. Zur Konfirmation oder Firmung gehen die evangelischen oder katholischen Jugendlichen, weil man das eben so macht oder weil einem die Aussicht auf sprudelnde Geldgeschenke zusagt: Religion und Teenager – zwei Sachen, die eher weniger zusammenpassen.

Aber ist das nicht schade? Religion ist Jugendlichen peinlich, es ist eine Last, in die Kirche zu gehen oder dem Religionslehrer zuzuhören. Schlimmer: Jugendliche, die gerne in die Kirche gehen, sind out.

Dabei ist Religion nicht nur das, was vielen Jugendlichen in den Sinn kommt, wenn sie darüber nachdenken: Pures Vertrauen in Gott, jeden Sonntag in die Kirche gehen, die Bibel lesen oder vor dem Essen und Schlafengehen beten. Religion ist viel mehr als das. Im Grunde ist Religion das, was man darunter verstehen möchte.

Der typische Sonntagsgottesdienst

Man kann es so sehen: Religion bildet eine Gemeinschaft. Jeden Sonntag kommen in jedem Dorf, in jedem Stadtteil Gruppen von Menschen in der Kirche zusammen. Aber gehen alle aus demselben Grund in die Kirche? Nein, denn jeder ist ein Individuum. Religion ist eine Zusammenkunft von Individuen, die eine Gemeinschaft bilden:

Die alte Dame in der ersten Reihe kommt, um Gott nah zu sein.

Die beiden alten Damen in der Reihe dahinter sind in der Kirche, weil sie sonst keine Gelegenheit finden, sich gegenseitig zu sehen. Nach dem Gottesdienst werden sie noch bleiben, um gemütlich über den schicken neuen Schuh, den eine sich gekauft hat, zu schwatzen.

Die Gruppe an Müttern, die auf der anderen Seite sitzt, kommt aus ähnlichen Gründen: Ihnen gefällt die Gemeinschaft, ihnen gefällt es, immer dieselben Gesichter zu sehen.

Der Mann in der letzten Reihe ist da, um zu trauern: seine Mutter ist in der letzten Woche verstorben. Nach dem Gottesdienst wird er bleiben, um beim Pfarrer Trost zu suchen.

Jeder hat seine eigenen Gründe in die Kirche zu gehen und niemand wird dafür schief angesehen.

Warum werden also Jugendliche als „uncool“ betrachtet, wenn sie gerne in die Kirche gehen? Auf diese Frage gibt es leider keine Antwort. Aber es gibt Arten, die Jugend in die Kirche zu bringen, die das Problem etwas umgehen.

Jugendchöre und Orchester

Viele Kirchengemeinden bieten zum Beispiel Musikgruppen wie Chöre oder Orchester. Viele Chöre werden auch in Schulen angeboten, und man wird keineswegs als „uncool“ bezeichnet, wenn man dort singt. Warum man also nicht in den Kirchenchor, wenn man Teil der Kirchengemeinschaft werden möchte? Ähnliches gilt für Orchester.

Das Beste: Durch den Chor und die Teilnahme „hinter den Kulissen“ werden die Jugendlichen automatisch Teil der Gemeinschaft, meistens noch mehr als die „normalen“ Kirchenbesucher. Sie lernen den Pfarrer vielleicht mal an einem Probewochenende kennen, reden mit ihm und merken, dass er auch nur ein Mensch ist. Und auf einmal gehen sie gerne in die Kirche, weil sie dort Freunde treffen und andere, bekannte Gesichter wiedersehen. Es ist in Ordnung, wenn Jugendliche an Gott zweifeln, denn wenn sie sich in der Kirche und innerhalb der Gemeinde wohlfühlen, können sie dadurch menschlich und in ihrem Glauben reifen.

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